Hütehunde - Granate auf vier Pfoten
Insel Borkum [ENA] Wenn man mich fragt, was einen guten Hütehund ausmacht, dann sag ich immer: Er muss arbeiten wollen – und er muss mehr Verstand haben als der Schäfer. Und glaubt mir, dass schaffen erstaunlich viele. Ich selbst bin inzwischen beim dritten Border Collie angekommen.
Der erste war ein Familienhund – und zwar einer, der seine Familie gut erzogen hatte. Der hat Bälle gejagt, ist über Zäune gesprungen und wäre am liebsten in den Zirkus gegangen. Nur arbeiten? Keine Chance. Mit so einem Hund kannst du keine Schafe hüten. Der treibt höchstens die Kinder durchs Wohnzimmer. Der zweite war eine richtige Granate – allerdings eine, die nie gelernt hatte, was ein Auto, ein Fahrrad oder ein Mülleimer ist. Der kam vom Bauernhof aus Bergisch Gladbach, und für den war Borkum Großstadt. Wenn der einen Müllwagen sah, dachte er vermutlich: Neues Raubtier, Angriff vorbereiten. Und dann war da noch das Problem mit dem Stopp. Ein Hütehund ohne Stopp ist wie eine Fernbedienung ohne Aus Knopf.
Der Hund hat gehütet wie ein Verrückter – nur leider auch durch Zäune, durch Ställe und einmal fast in den Supermarkt. Für die Zuschauer lustig, für mich weniger. Aber wir haben uns zusammengerauft. Zwei Jahre hat’s gedauert, bis er verstanden hat, dass man Schafe nicht wie Flipperkugeln behandelt. Heute arbeitet er zu 90 Prozent so, wie ich es brauche. Die anderen 10 Prozent sind - sagen wir mal - künstlerische Freiheit. Wichtig bei einem Hütehund ist, dass er sich durchsetzt. Wenn ein 80 Kilo Schafbock vor ihm steht und sagt: Na, Kleiner, dann muss der Hund Haltung zeigen. Und wenn nicht, dann helfe ich eben mit dem Schäferstock nach. Ist wie bei der Kindererziehung: Wenn du sie laufen lässt, wird’s nicht besser.
Letztes Jahr haben wir neue Schafe bekommen – aus einer Hundeschule. Da haben die Schafe mit Bernhardinern gekuschelt. Als mein Border Collie in den Stall kam, sind die alle auf ihn zugelaufen und wollten schmusen. Der Hund guckt mich an wie: „Chef… das ist nicht mein Arbeitsauftrag.“ Die Ausbildung selbst ist ein Geduldsspiel. Ein Netz, ein paar Schafe, ein Hund, der zittert vor Aufregung, weil er endlich darf. Dann geht’s los: Come by, away, lie down. Englisch, weil’s weicher klingt. Und weil man auf großen Flächen nicht brüllen will wie ein Marktschreier. Und irgendwann – nach Wochen, Monaten, Nerven und ein paar grauen Haaren – läuft der Hund um die Herde, als hätte er nie etwas anderes gemacht.
Dann weißt du: Das ist kein Haustier. Das ist ein Kollege. Einer, der dich manchmal in den Wahnsinn treibt, aber ohne den gar nichts geht.




















































